Ergebnis der Gartenvogelzählung: Spatzen, Meisen und Amseln machen sich rar
In Deutschlands Gärten und Parks piept und zwitschert es immer weniger. Bei der diesjährigen bundesweiten „Stunde der Gartenvögel“ am zweiten Maiwochenende wurden trotz des schönen Wetters im Schnitt nur noch 28,45 Vögel pro Garten gezählt. Das sind so wenige wie noch nie in 21 Aktionsjahren.
Rotkehlchen (Foto: Frank Hecker/NABU/Std. der Gartenvögel)
Wurden vor zehn Jahren noch 36 Vögel pro Garten gesichtet und 2021 noch 33 Vögel, waren es 2024 erstmals knapp unterr 30. Und jetzt also 28,45. Das ist ein deutlicher und nahezu kontinuierlicher Rückgang, der mit Wetterzufälligkeiten oder ähnlichen Faktoren nicht mehr zu erklären ist. Dass die Zahl der gesichteten und gemeldeten Vögel immer weiter abnimmt, ist für NABU-Vogelschutzexperten Martin Rümmler keine Überraschung. „Neben Einzeleffekten wie die Verbreitung von Krankheiten für bestimmte Arten haben viele Populationen, die in unsere Städte und Dörfer kommen, mit fehlender Nahrung, Hitze, Trockenheit und anderen Problemen zu kämpfen“, sagt Rümmler, „Wenn es weniger Biodiversität auf unseren Äckern, am Waldrand, in Gärten gibt, fehlt immer mehr Vögeln die Nahrung, der Nistplatz, der Lebensraum.“
Bei der Zählung stand die Amsel besonders im Fokus. Hier bestand der Verdacht, dass das in einigen Regionen im vergangenen Sommer wieder stark aufgetretene Usutu-Virus sich bei den Sichtungen bemerkbar machen könnte. „Das scheint sich leider zu bewahrheiten“, so Rümmler, „Im vergangenen Jahr wurden uns vor allem aus Norddeutschland mehr Verdachtsfälle zu Infektionen mit dem Virus gemeldet als bisher. Dort wurden jetzt bei der Vogelzählung im Mai deutlich weniger Amseln pro Garten gemeldet.“
Eine Infektion mit dem tropischen Virus verläuft bei Amseln häufig tödlich, was den Bruterfolg im Vorjahr deutlich beeinflusst haben kann und sich nun offenbar in den verminderten Sichtungen niederschlägt. Negativer Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein mit 31 Prozent weniger Amseln im Vergleich zum Vorjahr. In Niedersachsen sind es 27 Prozent weniger Amselsichtungen, ebenso wie in Mecklenburg-Vorpommern..
Die Vogelzählung des NABU fand bereits zum 21. Mal statt. Die NABU-Ornithologen können sich dank der zahlreichen engagierten Teilnehmenden ein gutes Bild der Bestandtrends über die Jahre machen. Bei der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“ haben über 57.000 Menschen mitgemacht und Vögel aus mehr als 39.000 Gärten und Parks in ganz Deutschland gemeldet.
Wie viele Vögel welcher Art wurden bundesweit, pro Bundesland oder pro Landkreis gemeldet? Welcher Vogel rückt vor, welcher schwächelt? Interaktive Karten und Listen mit Live-Darstellung der Ergebnisse und Vergleich mit den Vorjahren – all diese Daten gibt es hier.
In diesem Zusammenhang: Kennen Sie schon den preisgekrönten NABU-Podcast „Reingezwitschert“? Zu hören gibt es Tipps für Vogelfans, Fun Facts über die Vogelwelt und reichlich Gezwitscher für Haus, Balkon und Garten. Die aktuelle Folge z.B. bietet Vogel-Apps im Test.
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