Ergebnisse der diesjährigen Falterzählaktion in NRW
Bereits zum elften Mal hatte der NABU NRW zur Teilnahme an der Falterzählaktion „Schmetterlingszeit“ in Nordrhein-Westfalen aufgerufen. Im Zeitraum vom 15. Juni bis 15. Juli wurden bei bestem Sommerwetter mit 19.053 Faltermeldungen etwas weniger Tag- und Nachtfalter beobachtet als im Vorjahr. Bei den Tagfaltern liegt erneut der Kohlweißling vorn, bei den Nachtfaltern sichert sich das Taubenschwänzchen den ersten Platz. Auffällig war in diesem Jahr der hohe Anteil an gesichteten Faulbaumbläulingen. Der NABU NRW bedankt sich bei allen Beobachter*innen, die an dieser jährlichen Zählaktion teilgenommen haben.
Kleiner Fuchs (Foto: NABU Bochum)
Die Zählergebnisse sind in erster Linie dem günstigen Wetter während des diesjährigen Beobachtungszeitraums geschuldet. „Bei anhaltend trockenem und sonnigem Sommerwetter waren schlicht viele Falter unterwegs“, erklärt Karl‑Heinz Jelinek, Schmetterlingsexperte beim NABU NRW. Doch die Zahl der fliegenden Falter hängt nicht allein vom Sommerwetter ab. So profitierte der in diesem Jahr häufiger gemeldete Faulbaumbläuling – im Siedlungsraum meist in der Sammelgruppe der Bläulinge verborgen – von den warmen, blütenreichen Wochen im Frühjahr. „Die Blüten fressenden Raupen fanden in der für sie entscheidenden Entwicklungsphase reichlich Nahrung und konnten dadurch eine individuenstarke Sommergeneration hervorbringen“, so Jelinek weiter.
Weniger positiv fällt aber erneut die Bilanz bei den Falterarten Schornsteinfeger und Landkärtchen aus: Beide Arten wurden im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich seltener gemeldet. „Die leichte Erholung, die wir im vergangenen Jahr nach zwei feuchteren Sommern beobachten konnten, war leider nur von kurzer Dauer“, sagt Jelinek. „Diese Arten leiden besonders unter trockenen Sommern.“
„Ein positiver Trend einzelner Arten innerhalb eines Jahres ist also noch lange kein Grund zur Entwarnung“, betont der NABU‑Schmetterlingsexperte. Denn die entscheidenden Weichen für den Erhalt der Artenvielfalt müssen weiterhin in unserer Kulturlandschaft gestellt werden. Zwar leisten naturnahe Gärten als grüne Inseln im Siedlungsraum einen wichtigen Beitrag und städtisches Grün gewinnt darüber hinaus als Trittsteinbiotop zwischen isolierten Lebensräumen zunehmend an Bedeutung. Doch für eine nachhaltige Verbesserung der Situation heimischer Schmetterlinge – und der Insekten insgesamt – wird vor allem die zukünftige Wiederherstellung wertvoller Lebensräume im Rahmen der Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung entscheidend sein.
Die Ergebnisse der Zählaktion im Detail
Den ersten Platz belegen erneut wenig überraschend wie im letzten Jahr die Weißlinge mit rund 3.989 Meldungen. Das Tagpfauenauge steht ebenso wie im letzten Jahr auf Platz 2 mit 1.583 Meldungen. Platz 3 belegt das Großes Ochsenauge mit 1.018 Zählungen. Die Bläulinge (862), der Admiral (824) und der Zitronenfalter (747) liegen dicht beieinander auf den Plätzen 5,6 und 7 hinter dem Taubenschwänzchen, dem meist gesichteten tagaktiven Nachtfalter (s.u.). Zu den weiteren noch häufiger gesichteten Tagfaltern gehören der Kleine Fuchs (499), der im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich häufiger gesichtete Distelfalter (482) und der Schornsteinfeger mit 479 Zählungen. Weiter abgeschlagen folgen der C-Falter (219) und das Landkärtchen (132).
Zu den sechs zur Beobachtung vorgeschlagenen Nachtfalter-Arten liegt das Taubenschwänzchen mit 905 Zählungen weit vorne auf Platz 1. Mit einigem Abstand folgt die Gammaeule mit 460 Zählungen auf Platz 2. Auf Platz 3 befindet sich der Weiße Hartheuspanner mit 62 Meldungen, dicht gefolgt vom Ockergelber Blattspanner mit 40 Meldungen. Das gemeine Blutströpfchen (26) und der Ampferspanner (1) gehören ebenfalls zu den gezählten Nachtfaltern.
Der positiver Trend einzelner Arten in einem Jahr ist leider kein Grund zur Entwarnung für heimische Schmetterlinge. Zukünftige Wiederherstellung von nährstoffärmeren und pestizidfreien Lebensräumen für Artenvielfalt ist entscheidend.
Falter fördern vor der eigenen Haustür
Wer nun Schmetterlingen helfen möchte, kann direkt im eigenen Umfeld aktiv werden.
Das Projekt „Mehr gArtenvielfalt in NRW“ unterstützt Bürgerinnen und Bürger dabei, ihre Gärten, Balkone oder öffentlichen Grünflächen naturnäher und falterfreundlicher zu gestalten. Erste praktische Tipps gibt es unter www.mehrgartenvielfalt.de. Dort findet sich eine umfangreiche Informationsplattform rund um naturnahe Gestaltungsmöglichkeiten. Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.
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