Friedhöfe sind heute mehr als letzte Ruhestätte, Orte der Trauerbewältigung, der Erinnerung und Besinnung. Gerade in städtischen Ballungsräumen mit zunehmender Versiegelung des Bodens leisten sie mit altem Baumbestand und Grünanlagen einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas, steigern die Erholungsqualität der Menschen und bieten Tieren und Pflanzen einen geschützten Lebensraum.
Fotos: NABU Bochum
Diese Aspekte standen im Fokus der NABU-Veranstaltung, in der Sofia Zeisig den 20 interessierten Teilnehmern im Ev. Friedhof Wattenscheid-Westenfeld die Bedeutung der ökologischen Maßnahmen erläuterte, die von der Friedhofverwaltung unter Leitung von Holger Sense in den letzten vier Jahren ausgeführt wurden.
Naturbeobachtungen auf einem Friedhof – eine Lesung aus der Sigrid Tinz Publikation „Der Friedhof lebt“ – war ein stimmungsvoller Einstieg in das Programm. Dank an Mitarbeiterin Cordula Podscharly, die für die kurzfristig erkrankte Autorin die Lesung übernahm.
Der 1,5 stündige Rundgang führte dann von Nisthilfen für Vögel, Wildbienen und Fledermauskästen, über Totholzbäume und Benjes-Hecke in Form eines Förderturms zu blühenden Wiesenstreifen und mit insektenfreundlichen Pflanzen versehene Freiflächen, an denen es nur so summte und brummte.
In dieser Hinsicht ein Highlight stellt der neue Urnengarten in Form eines Hochbeetes dar, von einer Trockenmauer aus Anröchter Dolomit eingefasst. Die Bepflanzung mit Stauden, Gräsern und Kleingehölzen, die Trockenheit vertragen, ist nicht nur optisch ansprechend, sondern auch ein Refugium für Insekten. Ein geeigneter Platz für eine weitere Pause mit kurzer Lesung über die Bewohner des Lebensraums „Mauer“.
Wenn auch die insektenfreundliche, Klima angepasste Gestaltung der individuellen Gräber erst ansatzweise zu erkennen ist, wurde den Teilnehmern auch durch die detaillierten Ausführungen der biologischen Grundlagen durch Sofia Zeisig deutlich, welchen Beitrag Friedhöfe gegen das Artensterben leisten und so zu Oasen der Artenvielfalt werden können.
Unser Dank an Sofia Zeisig, Holger Sense und Cordula Podscharly für diese stimmungsvolle und sehr interessante Führung.
Am 29. Juli verleiht die Landesgeschäftsstelle des NABU NRW der Friedhofsverwaltung die Auszeichnung „Schmetterlingsfreundlicher Friedhof“ als Anerkennung für die bisher erfolgten Anstrengungen gegen das Insektensterben. Wir gratulieren!
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